ZNS - Hannelore Kohl Stiftung für Verletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystem
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25 Jahre Fördertätigkeit ZNS - Hannelore Kohl Stiftung - Rückblick und Ausblick

Professor Dr. Dr. Klaus Mayer, Düsseldorf

Neurorehabilitation 2008, Kooperationsveranstaltung der Österreichischen, Deutschen und Schweizerischen Gesellschaften für NeurorehabilitationWien


25 Jahre ZNS-Hannelore Kohl Stiftung - das sind Jahre erfolgreicher Förderung von Praxis und Forschung der Neurorehabilitation. Der Förderung der Rehaforschung dient auch der noch von Hannelore Kohl selbst gestiftete und seit 1993 alle 2 Jahre verliehene Förderpreis. Er soll Anreiz sein zu und Auszeichnung für herausragende Leistungen des wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiet der Erforschung, Entwicklung und Erprobung diagnostischer und therapeutischer Verfahren in der Neurorehabilitation Schädelhirnverletzter sowie und - das seit einigen Jahren hinzugefügt - für Maßnahmen der Prävention von Schädelhirnverletzungen.

Der Preis ist derzeit mit 10.000 EUR dotiert. Das Preisrichterkollegium besteht aus 7 in Praxis und Forschung der Neurorehabilitation kenntnisreichen und langjährig erfahrenen Ärzten. Ich freue mich sehr, einige von ihnen hier begrüßen zu können.

Preisgekrönt wurden bisher Arbeiten über neuropsychologische Trainingsverfahren bei kognitiven Störungen und Sprachstörungen nach Schädelhirnverletzungen (1993, 1997), Arbeiten über neurophysiologische Behandlungskonzepte bei zentralmotorischen Lähmungen (1995, 2001, 2003), Untersuchungen zur Regeneration von Nervenzellen und zur Plastizität des Gehirnes (1995,2001), Arbeiten über Therapiekonzepte zur Verhinderung sekundärer Schädigungsfolgen des Gehirnes (1999, 2005) und jetzt 2008 zu einem neuen Therapieansatz mit Stammzellen. Ich freue mich sehr, dass ich Ihnen heute außer dem diesjährigen Preisträger auch ehemalige Preisträger vorstellen kann. Wir sind gespannt über deren Berichte über ihren weiteren beruflichen Werdegang seit der Preisverleihung, über ihre jetzige Position in und zur Forschung und Praxis der Neurowissenschaften, insbesondere aber über die Auswirkungen ihrer Untersuchungen auf und die Anwendung in der praktischen Neurorehabilitation. Für und über die Kollegin und Kollegen, die aus zwingenden Gründen leider verhindert sind, werde ich anhand deren schriftlicher Mitteilungen berichten.
Den Hannelore Kohl Förderpreis 2008 erhält Dr. med. Peter Riess (40), Facharzt für Chirurgie und Assistenzarzt beim Lehrstuhl und in der Abteilung für Unfallchirurgie des Klinikum Köln-Merheim.

Herr Dr. Riess hat sich um den Preis beworben als Erstautor und Federführender „stellvertretend für unsere wissenschaftliche Nachwuchsgruppe“, wie er bescheiden und kollegial fair schreibt, mit 2 Publikationen aus dem Jahre 2007, veröffentlicht im „Journal of Neurotrauma“. Darin berichtet er über experimentelle Untersuchungen zu einem neuen Therapieansatz nach Schädelhirntrauma durch Transplantation embryonaler Stammzellen. Untersucht wurde der therapeutische Nutzen einer Transplantation undifferenzierter, embryonaler Stammzellen in das zuvor nach einem etablierten und standardisierten Verfahren gezielt verletzte Gehirn der Ratte.

Laudatio zum Förderpreis 2008

Ihre Untersuchungen bieten aufschlussreiche und bedenkenswerte Ergebnisse. Anerkennung verdient, dass Sie auch Nebenwirkungen und Risiken eines solchen Therapieversuches kritisch gewertet und offen zur Diskussion gestellt haben. Ihre Untersuchungen sind Grundlagenforschung mit anwendungsbezogener Fragestellung nach neuen Therapiemöglichkeiten beim Schädelhirntrauma. Dafür erhalten Sie den Hannelore Kohl Förderpreis 2008, auch und nicht zuletzt in der Hoffnung auf weiteres erfolgreiches Bemühen um die Therapie und Rehabilitation schädelhirnverletzter Menschen.

Dr. Ute-Henriette Ohoven: Grußwort anlässlich der Verleihung des Hannelore-Kohl Förderpreises 2008 während der Neurorehabilitation 2008 in Wien


Den Förderpreis 2005 hat Priv. Doz. Dr. med. Dr. rer. nat. Jan Schwab erhalten, damals wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Hirnforschung des Universitätsklinikum Tübingen, für die Arbeit „Cyclooxygenase-1 (COX-1) als Entzündungsmediator nach Verletzungen des zentralen Nervensystems“. Mit dieser Arbeit, basierend auf eigenen einschlägigen Voruntersuchungen, hat Herr Dr. Schwab grundlagenwissenschaftlich relevante Mechanismen des Schadens nach ZNS-Trauma charakterisieren können, für die Relevanz dieser experimentellen Befunde auch beim Menschen überzeugende Hinweise finden können und zudem vielversprechende Wege zur Verbesserung des Outcome nach ZNS-Verletzung aufgezeigt. Laudatio zum Förderpreis 2005


Den Förderpreis 2003 hat Dr. med. Catrin Bütefisch, damals wissenschaftliche Mitarbeiterin und Assistenzärztin am Neurologischen Therapiezentrum Düsseldorf, erhalten für den experimentellen Nachweis, dass bei zentralmotorischen Lähmungen nach Hirnläsion die Funktionen im motorischen Cortex über das motorische Training hinaus durch niederfrequente repetitive transkranielle Magnetstimulation deutlich verbessert werden können, und dass die Funktionsverbesserung unter Amphetamin sehr viel rascher eintritt, ausgeprägter ist und nach Ende des Trainings viel länger anhält.
Diese Untersuchungen waren praktisch bedeutsam für die Rehabilitation zentralmotorischer Lähmungen. Diese Untersuchungen zeigten darüber hinaus - und das ist gesundheits- und sozialpolitisch bedeutsam und für die Kostenträger wichtig -, dass die Wirksamkeit neuer Therapieverfahren in der Rehabilitation durch wissenschaftliche Prüfverfahren durchaus belegbar ist.
Frau Bütefisch hat 2004 ihre Habilitation auf einem Lise Meitner Stipendium abgeschlossen. Da sich für sie aber keine angemessene Perspektive an Deutschlands Hochschulen finden ließ, hat sie sich für einen Umzug in die USA entschieden, zumal sie hier bereits von 1993-1997 ihre neurologische Facharztausbildung gemacht hat und mit dem dortigen System vertraut war. Seitdem ist sie als Assistant Professor für Neurologie und Physiologie an der West Virginia University School of Medicin wissenschaftlich und klinisch tätig. Über einen Grant der National Institutes of Health finanziert sie ihre weiteren Forschungen zur Rehabilitation der Motorik, die etwa 70% ihrer Arbeitszeit ausmachen. Über diesen Grant kann sie in den USA relativ unabhängig forschen. In einer von den National Institutes of Health gesponserten Studie werden derzeit, ähnlich einer Medikamentenstudie, verschiedene Stimulationsparameter an gesunden Probanden getestet, um dann in weiteren Studien die so identifizierten optimalen Parameter an Hirngeschädigten zu prüfen. Die Ergebnisse der pharmakologischen und TMS-Studie können dann als Grundlage für eine multizentrische klinische Studie zur motorischen Funktionsverbesserung genutzt werden. In einer funktionellen MRT- Studie an subakuten hemiparetischen Schlaganfallpatienten mit sehr guter Funktionserholung konnte sie zeigen, dass der motorische Kortex der nicht betroffenen Hemisphäre bei strikter Bewegung der paretischen Hand aktiviert wird (Butefisch, Kleiser et al. 2005). Dies entspricht, wie in weiteren TMS Studien gezeigt werden konnte. einer erhöhten Erregbarkeit im motorischen Kortex der nicht betroffenen Hemisphäre (Butefisch, Wessling et al. 2008). In einer noch laufenden Studie wird untersucht, ob der motorische Kortex der nicht betroffenen Hemisphäre ein neues therapeutisches Zielareal darstellt. Laudatio zum Förderpreis 2003


Den Förderpreis 2001 haben erhalten Priv. Dozent Dr. med. Christian Gerloff, damals Oberarzt an der Neurologischen Klinik der Universität Tübingen, jetzt Professor der Neurologie und Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf sowie Dr. med. Thomas Platz, damals Oberarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Berlin, inzwischen Priv. Dozent und Chefarzt des Neurologischen Rehabilitationszentrum Greifswald.
Herr Gerloff wurde ausgezeichnet für seine Arbeit „Zur kortikalen Repräsentation komplexer Fingerbewegungen: Physiologie und Plastizität“, Herr Platz für die Arbeit „Armfähigkeits-Training für Schlaganfall- Patienten und Schädelhirntrauma-Patienten mit leicht bis mittelgradiger Armparese. Eine randomisierte kontrollierte Studie. Laudatio zum Förderpreis 2001


Mit dem Förderpreis 1999 wurde ausgezeichnet Priv. Dozent Dr.med. Axel Piepgras, damals Oberarzt an der Neurochirurgischen Klinik der Universität Heidelberg, Klinikum Mannheim, für die Arbeit „Mäßige Hypothermie zur Neuroprotektion - experimentelle Untersuchungen und klinische Anwendung“. Die Arbeit zeigte damals neue Wege auf in der Behandlung des Schädelhirntrauma und anderer Hirnschädigungen durch eine moderate Absenkung der Kerntemperatur des Körpers auf 32  Hypothermie und dadurch Vermeidung von Sekundärschäden. Laudatio zum Förderpreis 1999


Mit dem Förderpreis 1997 wurde Dr. phil. Renate Drechsler ausgezeichnet. Frau Drechsler ist Psychologin, damals an der Universität Freiburg, Klinik Bethesda tätig. Ausgezeichnet wurde ihre Arbeit „Sprachstörungen nach Schädelhirntrauma-Diskursanalytische Untersuchungen aus textlinguistischer und neuropsychologischer Sicht“. Mit dieser Arbeit hat Frau Drechsler die Grundlagen für die Sprachrehabilitation vertieft und Konsequenzen für therapeutische Vorgehensweisen abgeleitet. Inzwischen ist sie als Psychologin im Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich tätig, offenbar aber mit anderen Aufgaben in der klinischen Praxis und Forschung befasst. Laudatio zum Förderpreis 1997


Den Förderpreis 1995 mussten sich 2 junge Wissenschaftler teilen für als vom Preisrichterkollegium gleichwertig hervorragend erachtete experimentelle und empirische Untersuchungen, die grundlegend und klinisch bedeutsam sind:
Priv.Dozent Dr. Matthias Bähr, damals Oberarzt an der Neurologischen Klinik der Universität Tübingen, für seine Arbeit „Zelluläre Grundlagen der neuronalen Regeneration im adulten Zentralnervensystem“.
Dr. Horst Hummelsheim, damals leitender Oberarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Berlin, für seine Arbeit „Physiotherapeutische Behandlungskonzepte in der Rehabilitation von Patienten mit zentralen Lähmungen- eine kritische Darstellung ihrer neurophysiologischen Grundlagen“.
Matthias Bähr hat seinerzeit mit in vitro und in vivo Experimenten versucht, einige grundlegende Mechanismen der neuronalen Regeneration im zentralen Nervensystem von Säugetieren zu erfassen. So konnte er belegen, dass entgegen der bislang herrschenden Meinung adulte Neurone im zentralen Nervensystem von Säugern durchaus regenerationsfähig sind und die Neuroregeneration angeregt werden kann durch geeignet aktivierte Gliazellen, durch monoklonale Antikörper gegen hemmende Gliaproteine und/oder durch Pharmaka. Seine Grundlagenforschungen sind Voraussetzung für eine mögliche Anwendung in der Behandlung von Patienten mit traumatischen Schäden des zentralen Nervensystems. In der Laudatio zur Preisverleihung haben wir damals gesagt: „Dr. Bähr zeigt eine wissenschaftliche Begabung und experimentelle Erfahrung sowie ein klinisches Engagement, von denen wir in Zukunft weitere Arbeiten zu den zellulären Grundlagen der neuronalen Regeneration und der klinischen Neurorehabilitation erwarten dürfen“. Diese Voraussage war zutreffend. Mit seiner Berufung 2001 auf den Lehrstuhl für Neurologie und zum Direktor der Klinik für Neurologie der Universität Göttingen hat Herr Bähr seine Forschungen auch interdisziplinär wesentlich erweitern können. Er ist Vorsitzender, Mitglied und Koordinator zahlreicher Forschungseinrichtungen und Forschergruppen, die alle aufzuführen und zu würdigen den Rahmen dieser Veranstaltung sprengen würde. Dies erklärt aber, dass und warum er leider an unserer Veranstaltung nicht teilnehmen kann. Er selbst sieht als übergeordnetes Thema seiner experimentellen und klinischen Forschung das bessere Verständnis der zellulären und molekularen Mechanismen bei akuten und chronischen Erkrankungen des Nervensystems sowie die Entwicklung neuer Therapiestrategien. Kurz- bis mittelfristige Ziele sind die bessere Definition von Patientenkollektiven für experimentelle klinische Studien und die Entwicklung neuer pharmakologischer und gentherapeutischer Therapie- und zellbasierter Reparaturstrategien.

Auch für und über Horst Hummelsheim muss ich sprechen. Er hat sich seinerzeit unter Berücksichtigung der neuroanatomischen und neurophysiologischen Gegebenheiten kritisch mit den gängigen physiotherapeutischen Methoden („Schulen“) auseinandergesetzt, zumal diese selbst keinen wissenschaftlichen Beitrag zur Wirksamkeit ihrer Methode geliefert hatten. Seine erstmalig methodenkritische Auseinandersetzung mit und seine experimentellen Untersuchungen über diese bis dahin erprobt erscheinenden physiotherapeutischen Methoden haben inzwischen, wie vom Preisrichterkollegium angenommen, die kritische Einstellung bei der Auswahl und Anwendung solcher Methoden beeinflusst.
Nach Habilitation 1996 in Berlin vertritt Herr Hummelsheim seit 1999 an der Universität Leipzig das Fach „Neurologische Rehabilitation“ in Forschung und Lehre und leitet als Ärztlicher Direktor das Neurologische Rehabilitationszentrum (NRZ) Leipzig. Die mit dem Förderpreis ausgezeichneten Untersuchungen zu den neurophysiologischen Grundlagen übender Verfahren hat er hier fortgesetzt und inhaltlich weiterentwickelt. Eine Arbeitsgruppe am NRZ von Ärzten, Biologen, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten ist dauernd bemüht um die Identifikation von Kernelementen des motorischen Lernens und der motorischen Funktionserholung. Andere Arbeitsgruppen befassen sich mit Fragen der neurologischen Frührehabilitation, mit neuroendokrinen Veränderungen nach Hirnschädigung, mit der nicht-pharmakologischen Beeinflussung von Bewusstseinsstörungen und mit Fragen der langfristigen Pflege von Menschen im sogenannten Wachkoma.
Herr Hummelsheim ist wie kein anderer der ehemaligen Preisträger der klinischen Praxis sowie der Forschung und Lehre der Neurorehabilitation verpflichtet. Er sieht seine Aufgabe in der wissenschaftlichen Fundierung der Neurorehabilitation, in der Förderung junger Wissenschaftler auf diesem, bis vor kurzem von der Universitätsmedizin wenig gefördertem Gebiet sowie in der nachhaltigen Realisierung evidenzbasierter Rehabilitationskonzepte. Laudatio zum Förderpreis 1995

Erstmals wurde der Förderpreis 1993 verliehen an eine Arbeitsgruppe von Neuropsychologen der Kliniken Schmieder unter der Federführung von Dr. Ulrich Poser für die „Evaluierung eines neuropsychologischen Funktionstrainings bei Patienten mit kognitiver Verlangsamung nach Schädelhirntrauma“. Es handelte sich damals um eine der ersten Studien über die Wirksamkeit eines Computertrainings. Inzwischen sind neuropsychologisch fundierte Computerverfahren fester Bestandteil der stationären und vor allem der ambulanten Neurorehabilitation. Laudatio zum Förderpreis 1993


Förderpreis 2008
Förderpreisträger 2001
Die Gründerin der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung

Hannelore Kohl
Forum 1/2010

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