Verleihung Förderpreis 2001 am 15. März 2001, 17:30 - 18:00 Uhr, Hotel Inter-Continental, Leipzig, im Rahmen der 29. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurotraumatologie und Klinischen Neuropsychologie
Ein Unfall - er kann jeden treffen. Von heute auf morgen verändert er das ganze Leben, besonders wenn man schwere Verletzungen oder sogar Hirnschädigungen davonträgt. Für Betroffene und deren Angehörige werden erst dann und urplötzlich Themengebiete, wie z.B. die Neurowissenschaften, wichtig, denen sich das KURATORIUM ZNS und die Hannelore-Kohl-Stiftung seit Jahren verschrieben haben. So unterstützt das KURATORIUM ZNS neurologische Rehabilitationseinrichtungen bei der Beschaffung von dringend benötigten medizinischen Geräten, die u.a. die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten verbessern helfen.
Die Hannelore-Kohl-Stiftung fördert Projekte zur Erforschung und Entwicklung neuer Rehabilitations-verfahren im Bereich der Neurowissenschaften. Beide Organisationen schreiben alle zwei Jahre einen Förderpreis in Höhe von DM 25.000 aus, der weitere Anreize zur Forschung auf diesem Gebiet geben soll. In diesem Jahr wurden Herr Priv.-Doz. Dr. Christian Gerloff von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen für die Arbeit "Zur kortikalen Repräsentation komplexer Fingerbewegungen:
Physiologie und Plastizität" und Herr Dr. Thomas Platz von der Klinik Berlin mit der Arbeit "Armfähigkeits-Training für Schlaganfall-Patienten und
Schädelhirntrauma-Patienten mit leicht- bis mittelgradiger Armparese -Eine randomisierte kontrollierte Studie" geehrt.
Die Arbeit von Herrn Priv.-Doz. Dr. Gerloff beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Themenkomplex: Funktionelle Plastizität der Kontrolle komplexer Handfunktionen nach Läsionen des menschlichen Gehirns. Dabei wird die Erholungsfähigkeit des Gehirns in unterschiedlichen Modellen wie frühkindlicher Hirnschaden, Erblindung, Schlaganfall oder Schreibkrampf untersucht. Es wurden ferner Konzepte der netzwerkartigen Gehirnplastitzität entwickelt, weiterentwickelt bzw. Szenarien aufgebaut, wie diese Ereignisse Eingang in neue rehabilitative Therapien finden können. Das Gehirn verfügt zwar über eine gewisses Erholungspotential, was jedoch nicht bedeutet, dass geschädigte Hirnareale "nachwachsen". Auch gelang es bisher nicht, einen geschädigten Teil des Gehirns durch Transplantation von Nervenzellen zu ersetzen. Wesentliche Fortschritte konnten jedoch erzielt werden, indem ausgefallene Hirnteile durch Mobilisierung intakter Hirnareale für neue Aufgaben funktionell ersetzt werden. Der strukturelle Defekt bleibt zwar bestehen, die Funktion jedoch kehrt zurück. Bei kleinen Läsionen kann häufig eine praktisch vollständige Erholung erreicht werden.
Armlähmungen zählen zu den häufigen Folgen eines Schlaganfalles oder eines Schädelhirntraumas. Auch bei Patienten, die spontan eine gute Erholung der Armfunktion zeigen, verbleiben behandlungsbedürftige Restdefizite der Bewegungskontrolle. Die von Herrn Dr. Platz durchgeführte Studie für Schlaganfallpatienten und Schädel-Hirn-Patienten mit leicht bis mittelgradiger Armparese befasst sich mit einem neu entwickelten Armtraining, das spezifische sensomotorische Fähigkeiten beübt und die Armfunktion alltagsrelevant verbessert. Es ermöglicht es somit, dem Patienten eine bessere Chance zu geben, wieder in den Alltag, in Familie, Schule und Beruf integriert zu werden.
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