ZNS - Hannelore Kohl Stiftung für Verletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystem

15.05.2003
Das KURATORIUM ZNS unterstützt MUTABOR e.V., München zur Errichtung des "Stemmerhofs" mit 255.645,94 Euro

Am 15. Mai 2003 übergab die Präsidentin des KURATORIUM ZNS für Unfallverletzte mit Schäden des zentralen Nervensystems e.V., Bonn, Frau Ute-Henriette Ohoven, an MUTABOR e.V. - Ambulante Intensivförderung für Menschen mit erworbenen Hirnschäden e.V. München, einen Scheck über 255.645,94 Euro zur Errichtung des "Stemmerhofs". "Das Projekt Stemmerhof fiel in eine Zeit dramatischer Verknappung der Ressourcen bei allen Spendern. Deshalb hat mich in besonderer Weise berührt mit welcher Verlässlichkeit Förderer wie das KURATORIUM ZNS an meinen Sorgen teilnahmen und wieder einmal tragende Unterstützung gaben.", dankte Frau Margot Wingruber, Mutabor e.V..

"Allzu leicht wird verdrängt, dass jeder von uns von einer Sekunde auf die andere selbst Betroffener sein kann. Trotz aller Gesetze, Verordnungen und Sicherheitsvorschriften erleiden in der Bundesrepublik Deutschland jährlich etwa 300.000 Personen Hirnverletzungen bei Unfällen im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz, im häuslichen Bereich oder bei Spiel und Sport. Bei 100.000 Unfallopfern wird ein schweres Schädelhirntrauma diagnostiziert, das wiederum bei 45.000 zu lang anhaltenden oder andauernden Schäden führt. Die Dramatik dieser Zahl wird besonders deutlich, wenn man bedenkt, dass jedes 7. Unfallopfer ein Kind unter 5 Jahren ist und die Hälfte der Unfallopfer Jugendliche im Alter bis zu 25 Jahren sind", kommentierte Frau Ute-Henriette Ohoven anlässlich der Eröffn ung des "Stemmerhof" die erschreckende statistische Wahrheit. Wegen der Schädigungsfolgen sind manchmal monate- bzw. jahrelange Rehabilitationsmaßnahmen notwendig, um verloren gegangene Fähigkeiten und Kenntnisse wieder zu erlernen. Hier gemeinsam mit Einrichtungen wie z. B. MUTABOR zu helfen, ist das Ziel und die Aufgabe des KURATORIUM ZNS.

Mit Hilfe der Zuwendung des KURATORIUM ZNS konnte MUTABOR e.V. den "Stemmerhof", einen alten erhaltenen Stadel (Scheune) zu einem Ort der wohnortnahen therapeutischen Langzeitbetreuung umgestalten. Der "Stemmerhof" bietet mit der Möglichkeit der Rehabilitation am Wohnort, mit der Nähe zu den Familien, der Einbindung in die Nachbarschaft und das Berufsleben die richtige Mischung aus Rückhalt, Angebot und Anstoß zur Eigeninitiative. In einem kontinuierlichen und langfristig begleiteten Prozess kann ein hirnverletzter Mensch beispielsweise lernen wieder ohne Hilfe zu essen, oder Arbeitsprozesse erfolgreich zu bewältigen, auch wenn ihm die Worte fehlen und das Gedächtnis Sprünge hat. Über die Rückgewinnung von Fähigkeiten hinaus, müssen die Betroffenen und ihre Familien jedoch auch lernen mit einer Behinderung zu leben und neue Lebensqualitäten zu gewinnen. Schranken müssen abgebaut werden, damit auch das weitere Lebensumfeld einbezogen werden kann.

Hier greift das Konzept von MUTABOR e.V., das nicht auf der grünen Wiese, sondern mitten im alten Sendlinger Dorfkern, inmitten kleiner Läden und lebendiger Märkte eine therapeutische Tagesstätte beherbert, den Integrationsfachdienst und das Cafe MUTABOR, eine selbst finanziertes Nachbetreuungsangebot für Patienten, für die kein Kostenträger mehr einspringt, anbietet.

"MUTABOR" heißt das märchenhafte Zauberwort, das verändern, verwandeln kann. Das KURATORIUM ZNS, das seit 20 Jahren für die Interessen von Menschen mit erworbenen Hirnschäden arbeitet, freut sich einen Beitrag zur Gestaltung eines Prozesses der Verwandlung geleistet zu haben. "Ich hoffe, dass das Beispiel von MUTABOR Schule machen wird und viele Nachahmer finden möge", schloss Ute-Henriette Ohoven, Präsidentin des KURATORIUM ZNS, anlässlich der Eröffnung ihren Glückwünschen an.

Jedes Jahr erleiden 300.000 Menschen Schädelhirntraumata, davon sind 45.000 unter 5 Jahren, insgesamt sind 150.000 Unfallopfer nicht älter als 25 Jahre. Dank der Fortschritte in der Unfall- und Intensivmedizin einschließlich des Notartzsystems überleben immer mehr Unfallopfer selbst schwerste Verletzungen. Bundesweit hat das KURATORIUM ZNS für 425 Projekte an 191 Einrichtungen mehr als 21 Mio. EURO zur Verbesserung der Neurorehabilitation eingesetzt. Das Spektrum reicht von der Schaffung von Frühre-habilitations-Stationen für Schwersthirnbeschädigte bis hin zur beruflichen und sozialen Wiedereingliederung einschließlich begleitender Forschungsvorhaben.

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