ZNS - Hannelore Kohl Stiftung für Verletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystem

23.06.2006
Versorgung Schädelhirnverletzter in Deutschland: Prospektivstudie zur Qualitätssicherung bescheinigt hohen Standard in der Erstversorgung, Diagnostik und Nachsorge

In einer Pressekonferenz am 22. Juni 2006 in Berlin präsentierte die Stiftung die Ergebnisse der Studie. Die Versorgung von Patienten mit Schädelhirntrauma in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreicher und effizienter geworden. Dies ergibt sich aus einer von der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung geförderten wissenschaftlichen Pilotstudie zur Qualität der Versorgung von Schädelhirnverletzungen anhand von 6.800 Patienten. Es ist die mutmaßlich erste Studie diesen Umfangs in Europa überhaupt.

In dieser Studie wurden alle leicht, mittelschwer und schwer Schädelhirnverletzten erfasst und analysiert, die im Zeitraum von März 2000 bis Februar 2001 in Krankenhäusern der Regionen Hannover und Münster wegen dieser Verletzungen aufgenommen wurden. Die Studie versuchte zu klären, ob
a) die Unfallrettung und die Versorgung im Krankenhaus den Richtlinien entspricht,
b) es genug Intensivbetten gibt,
c) für jeden Patienten ein adäquates Spezialkrankenhaus erreichbar ist.

Ferner sollte ermittelt werden, ob die erforderlichen Rehabilitationsmöglichkeiten in ausreichender Zahl und Qualität verfügbar sind. Ein Jahr nach dem Unfall wurden die Verletzten interviewt und nach Veränderungen der Lebenssituation gefragt.

Die Ergebnisse im einzelnen:
- Für die überwiegende Zahl der Patienten steht ein „Krankenhaus der Wahl“ zur Verfügung; der oft zitierte „Notfalltourismus“ findet nicht statt.
- Selbst ein Großteil der nur leicht Schädelhirnverletzten gelangt unter Begleitung eines Arztes in die Klinik. Zwischen ländlichen Regionen und den eher städtisch strukturierten Gebieten gibt es keine signifikanten Unterschiede.

- Bei etwa zwei Drittel aller Patienten erfolgt die Erstversorgung innerhalb der ersten Stunde nach dem Unfall. Mehr als 80 Prozent von ihnen erhalten innerhalb einer Zeitspanne von 60 Minuten nach dem Ereignis eine radiologische bildgebende Diagnostik. Das ist ein Spitzenwert im internationalen Vergleich. Die Versorgungskette: Rettungssystem - Akutversorgung im Krankenhaus mit OP - Intensivstation - Normalstation, Frührehabilitation und weitere Rehabilitation ist erfolgreich implementiert.
- Während in allen anderen industrialisierten Ländern Verkehrsunfälle Hauptsache für Schädelhirnverletzungen sind, greifen die Sicherungssysteme im Straßenverkehr in Deutschland. Hier dominieren mit 53 Prozent Stürze der verschiedensten Ursachen vor Verkehrsunfällen, die mit 27 Prozent an zweiter Stelle rangieren.
- 28 Prozent aller Schädelhirnverletzungen betreffen Kinder und Jugendliche im Alter unter 16 Jahren.
- 50 Prozent aller Unfallverletzten befinden sich auch nach einem Jahr noch in ärztlich-medizinischer Behandlung.
- Obwohl die Effizienz der Frührehabilitation durch die Studie belegt wird, wird nur eine kleine Anzahl von Patienten in diesen Einrichtungen behandelt.
- Schädelhirnverletzungen verursachen in der Bundesrepublik Deutschland jährlich geschätzte Kosten von 2,5 Milliarden Euro.

Trotz der insgesamt deutlichen Erfolge bei der Versorgung dieser Patientengruppe sind nach Ansicht der Autoren noch Optimierungsmöglichkeiten gegeben. So gilt die Zahl von ein Prozent aller Schädelhirnverletzungen mit tödlichem Ausgang als zu hoch. Verbesserungsfähig ist ferner die Weiterversorgung in Rehabilitationseinrichtungen im Rahmen der Versorgungskette, vor allem bei den verletzten Kindern. Unerlässlich ist schließlich die weitergehende Betreuung nach Abschluss der Reha-Maßnahme sowohl in medizinischer als auch in sozialer Hinsicht, wobei vor allem die Angehörigen mit einzubeziehen sind.



266 548 Schädelhirnverletzte / pro Jahr in Deutschland:
Dies bedeutet:
• 198 993 stationäre Aufnahmen
• 30 034 Intensivaufnahmen
• 209 655 Röntgen-Schädel-Aufnahmen
• 49 548 CT-Schädel-Aufnahmen
• 9 833 Aufnahmen in Reha-Kliniken
• 2 632 Tote

Hier finden Sie die Bilder

Bitte senden Sie mir das Buch zur Studie
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Herausgeber:

Prof. Dr. W. J. Bock,
Direktor em. der Neurochirurgischen Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Mitglied des Kuratoriums der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung

Prof. Dr. E. Rickels, Leiter der neurochirurgischen Abteilung, Universitätsklinikum Ulm

P. Wenzlaff
Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen, Einrichtung der Ärztekammer
Niedersachsen, Hannover

Prof. Dr. K. v. Wild, Neuroscience Consulting, Münster
Mitglied des Beirats der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung
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Kontakt für Rückfragen:
ZNS - Hannelore Kohl Stiftung
Helga Lüngen
Rochusstraße 24
53123 Bonn
Telefon: 02 28/9 78 45-0
Telefax: 02 28/9 78 45-55
E-Mail: h.luengen@hannelore-kohl-stiftung.de


Die ZNS - Hannelore Kohl Stiftung wurde 1983 von Frau Dr. med. h.c. Hannelore Kohl ins Leben gerufen. Von Bonn aus informiert die Stiftung über die neuesten Behandlungsmöglichkeiten bei Verletzungen des Zentralen Nervensystems, unterstützt bei der Vermittlung von Rehabilitationsplätzen, fördert die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet und engagiert sich in ihrer Präventionsarbeit für den Kopfschutz. Bisher konnten 23,3 Mio Euro aus Spendenmitteln für 484 Projekte an Kliniken, Institutionen und Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland weitergegeben werden.


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