Pressemitteilung

Schwerstverletzte sollen künftig besser versorgt werden können – Mehr Pflichten für die Haftpflichtversicherer

Prof. Paul Grützner und Dr. Johannes Vöcking

Als Ergebnisse des Arbeitskreises „Ansprüche Schwerstverletzter“ des 56. Verkehrsgerichtstages in Goslar wurden klare Empfehlungen für die bessere Versorgung schwerstverletzter Verkehrsunfallopfer formuliert. Die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung machte sich im Arbeitskreis für die besonderen Belange von Unfallopfern mit Schädelhirntrauma stark. Viele dieser Patienten seien aufgrund der frühen Entlassung aus der Akutklinik noch nicht Reha-fähig. Viele Folgen des Schädelhirntraumas sind erst spät erkennbar, deshalb sind die Patienten oft schon aus der Reha-Kette herausgefallen.

  1. Nach den Erkenntnissen der Fachmediziner hat sich für die Rehabilitation Schwerstverletzter das Modell der gesetzlichen Unfallversicherung bewährt und gegenüber dem von anderen Sozialversicherungsträgern, z. B. der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung, bisher angewandten Verfahren als überlegen erwiesen. Deshalb appelliert der Arbeitskreis an den Gesetzgeber, diese Defizite in der Rehabilitation ("Reha- Lücke") nach dem Modell der gesetzlichen Unfallversicherung zu beheben.
  2. Nach Auffassung des Arbeitskreises hat der Haftpflichtversicherer im Rahmen der berechtigten Ansprüche des Geschädigten die Aufwendungen für vermehrte Bedürfnisse Schwerstverletzter wie z.B. Pkw-Umrüstung, Schaffung behindertengerechten Wohnraums etc. durch Kostenübernahmeerklärung oder in anderer geeigneter Form sicherzustellen, wobei das Sicherungsbedürfnis des Haftpflichtversicherers (Schädigers) zu berücksichtigen ist.
  3. Haftpflichtversicherer sollten im Rahmen ihrer Eintrittspflicht die Kostenübernahme für die Anschaffung von Hilfsmitteln, die von Medizinern als förderlich angesehen werden, unabhängig von der Eintrittspflicht von Sozialversicherungen und Drittleistungsträgern erklären.
  4. Der Arbeitskreis weist außerdem darauf hin, dass Schwerstverletzte mit erheblicher Einschränkung der Mobilität unter Umständen Anspruch auf Erstattung der Kosten von Begleitpersonen haben.
  5. Bei Schwerstverletzten sollte das Reha-Management nach den Regeln des „Code of Conduct für das Reha-Management" der Arge Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein frühzeitig eingeleitet werden.  

Die Empfehlungen orientieren sich daran, was der Mensch benötigt, um wieder am Leben teilnehmen zu können. Dazu gehört auch eine psychologische Begleitung für Unfallopfer und deren traumatisierte Angehörige.