Musik für alle Sinne

Die Musiktherapeutinnen Nina Aue und Christa Morascher musizieren für Patienten im Wachkoma und deren Angehörige / © Arnold Morascher
© Arnold Morascher

Mit der kleinen Aufführung im Pflegeheim Pflegen & Wohnen Alsterberg nehmen die beiden Musiktherapeutinnen ihre Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine orientalische Reise. Im Rahmen des Projektes Tactilus lesen sie Passagen aus den Märchen aus 1001 Nacht vor und umrahmen diese mit den passenden Rhythmen und Klängen. Das Besondere an diesem Kulturereignis: Ein Teil des Publikums sind schwersthirnverletzte Menschen im Wachkoma. Sie werden begleitet von je einem Angehörigen oder einer Pflegekraft.

Ein Ziel dieser therapeutischen Darbietung: die Nähe zwischen den Patienten und dem vertrauten Partner, Verwandten oder Betreuer zu fördern und dabei endlich mal wieder etwas Schönes gemeinsam erleben zu können. Denn oft ist der Alltag der betroffenen Familien von Sorgen, Verzweiflung, Hilflosigkeit oder Stress geprägt. Während des kleinen Konzertes erleben sie kostbare Momente, die nachwirken und trösten.

Sowohl die Musiktherapeutinnen als auch die Begleitpersonen beobachten die Patienten während der Darbietung sehr genau. Überträgt sich die Stimmung der Musik auf die Kranken? Können besondere Aufmerksamkeit, Entspannung oder sogar ein Lächeln wahrgenommen werden? Um die Anregung durch die Musik zu erweitern, bieten die Begleitenden den Patienten zusätzliche Reize an: eine sanfte Massage z.B. an den Armen oder im Gesicht, ein Windhauch mittels Fächer oder Wohlgerüche. So öffnen sich möglicherweise weitere Fenster, durch die den Menschen im  Wachkoma sinnliche Eindrücke vermittelt werden können – ihnen wird so mehr Lebensqualität geschenkt.

Syndrom reaktionsloser Wachheit - Wachkoma

Nach einem tiefen Koma infolge einer schweren Hirnverletzung entwickelt sich bei manchen Betroffenen ein Syndrom reaktionsloser Wachheit, umgangssprachlich „Wachkoma“. Die Patienten atmen meist wieder selbstständig und zeigen einen Schlaf-Wach-Rhythmus. Doch trotz geöffneter Augen haben sie kaum Möglichkeiten, auf Reize aus der Umgebung zu reagieren. Veränderungen der Pulsfrequenz, der Atemtiefe und des Hautwiderstandes oder Schwitzen und Rotwerden – z.B. nach sehr lauten Geräuschen – sind aber Anzeichen, dass die Patienten durchaus Reize wahrnehmen. Emotionale Zuwendung und intensive Stimulation aller Sinne sind deshalb in der Betreuung von Wachkoma-Patienten oberstes Gebot.

Zur weiteren Information bietet die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung eine Broschüre für Angehörige von Menschen im Koma und Wachkoma an. 


Eva Lind, weltweit gefeierte Star-Sopranistin und Botschafterin für Musiktherapieprojekte: „Musik steht für positive Emotionen und Freude. Durch meine Arbeit in der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung sind mir viele Menschen begegnet, die ihr Gefühl und ihre Begeisterung für Musik trotz eines schweren Unfalls nicht verloren haben. Ich bin mir sicher, dass die Musik vielen schädelhirnverletzten Menschen auf ihrem Weg zurück ins Leben hilft. Die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung fördert zum Beispiel die Ausstattung von Therapieeinrichtungen für Wachkoma-Patienten mit einer Klangliege.  Sie dient der Entspannung und hilft dabei, die teils schweren Spastiken der hirnverletzten Menschen zu lösen. Die gemeinsame Wirkung von Klängen und Resonanz hat sichtlich positive Auswirkungen auf die Patientinnen und Patienten. Davon konnte ich mich selbst vor Ort überzeugen. Mit meinem Engagement möchte ich die Arbeit der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung fördern und mehr Unterstützer für musiktherapeutische Projekte gewinnen.“

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