Schütz Deinen Kopf! Gehirnerschütterungen im Sport

Bei der Initiative „Schütz Deinen Kopf!“ arbeitet die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung mit namhaften Organisationen, Medizinern und Sportverbänden zusammen, um Sportler und ihre Familien, Trainer, Pädagogen und Ärzte für das Thema „Gehirnerschütterung und mögliche Folgen“ zu sensibilisieren.

Eine Gehirnerschütterung ist eine sehr ernst zu nehmende Verletzung, die erhebliche Spätschäden verursachen kann. Die Aufklärung über das Krankheitsbild, frühzeitiges Erkennen und korrekte Behandlung sollen helfen, mögliche Folgen zu minimieren und dem Sportler eine optimale Rehabilitation zu ermöglichen.

Auf www.schuetzdeinenkopf.de finden Sie ausführliche Informationen, Broschüren, Flyer und Poster zum Download, Lehrfilme, digitales Material für den Unterricht sowie Kontaktadressen von Unfallkliniken und neuropsychologischen Fachkräften.
Die wesentlichen Informationen haben wir nachfolgend für Sie zusammengefasst.

Die Studie „Schädel-Hirn-Verletzung - Epidemiologie und Versorgung“, die mit maßgeblicher Unterstützung der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung durchgeführt wurde, zeigt, dass in Deutschland 91 % aller Schädelhirntraumen (SHT) als leicht einstuft werden, doch 46 % dieser leichten SHT werden auch nach einem Jahr noch behandelt. 50 % aller Patienten, die nach einem Jahr noch über SHT-bedingte Probleme in der Familie, bei der Berufsausübung oder in der Schule klagen, haben ursprünglich eine als „leichtes SHT“ eingestufte Verletzung erlitten. Offensichtlich ist das Raster, um frühzeitig zwischen einem folgenlosen und einem problematischen SHT zu unterscheiden, derzeit noch zu unpräzise.

In Deutschland werden pro Jahr mehr als 44.000 leichte Schädelhirnverletzungen im Sport diagnostiziert. Weitaus höher dürfte die Zahl der nicht dokumentierten Fälle sein, denn nicht jedes leichte SHT wird als solches erkannt bzw. entsprechend behandelt. Amerikanische Schätzungen gehen davon aus, dass die Dunkelziffer etwa dreimal so hoch sein dürfte.

Das Problem betrifft zum einen den Spitzen- und Berufssport, wo hochbezahlte Spieler durch Kopfverletzungen für den Verein ausfallen. Andererseits geht es um den Breiten- und Schulsport, wo Kopfverletzungen oft bagatellisiert werden.

Gehirnerschütterungen haben bei einer korrekten Behandlung – frühzeitiges Erkennen und Handeln – sehr gute Prognosen und heilen in den allermeisten Fällen folgenlos ab.

Eine Gehirnerschütterung ist eine durch Gewalteinwirkung auf den Kopf hervorgerufene zeitlich begrenzte Hirnfunktionsstörung meistens ohne Dauerschaden.

Die Gehirnerschütterung wird zum leichten Schädelhirntrauma gezählt. Sie ist typischerweise nicht lebensgefährlich und heilt bei angemessenem Verhalten in der Regel folgenlos aus.

Eine Gehirnerschütterung kann durch einen direkten Schlag gegen den Kopf oder durch eine indirekte Krafteinwirkung gegen den Körper ausgelöst werden. Als Folge wird das Gehirn im Schädel hin und her bewegt, es wird beschleunigt und abgebremst. Durch mehrfaches Anstoßen an den harten Schädelknochen und eine Drehbewegung – der Kopf ist am Hals sehr beweglich – können Verletzungen an den Nervenzellen entstehen und Verbindungen beeinträchtigt werden.

Unser Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen, wovon jede einzelne etwa 1.000 Quervernetzungen aufweist. Eine Gehirnerschütterung kann vereinfacht als Kurzschluss innerhalb der Nervenzellen bezeichnet  werden. Daraus resultiert eine meist kurz andauernde Beeinträchtigung neurologischer Funktionen – das Gehirn erbringt nicht mehr die volle Leistung. Diese Funktionsstörung kann

  • offensichtlich sein (Bewusstseinsverlust, verlangsamte Reaktion, bewegungsloses Liegen auf dem Boden, verlangsamtes Aufstehen, Gleichgewichtsprobleme, Koordinationsstörungen, sich an den Kopf fassen/den Kopf mit den Händen stützen, leerer/ausdrucksloser Blick, Verwirrtheit)
  • erst auf Nachfragen festgestellt werden (Wie ist dein Name? An welchem Spielort sind wir? Welcher Wochentag ist heute?)
  • erst im zeitlichen Verlauf festgestellt werden (verändertes Verhalten, Apathie, Appetitlosigkeit, verändertes Schlafverhalten).

Betroffene sind in der Regel ansprechbar und orientiert.Je nach dem, welche und wie viele Hirnregionen betroffen sind, ergibt sich eine Vielzahl von Symptomen.

Die häufigsten Symptome sind Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Nackenschmerz, Schwäche, Müdigkeit oder verschwommenes Sehen.

Seltener genannte Symptome sind Bewusstseinsstörung und akuter Erinnerungsverlust (10 - 30 % der Fälle), eine verlangsamte Informationsverarbeitung, Koordinations-, Seh-, Wahrnehmungs-, Hör- oder Verhaltensstörung sowie verändertes Schlafverhalten.

Hilfe für das Erkennen einer Gehirnerschütterung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bieten die Taschenkarte und die GET-App. Beide ermöglichen es auch medizinischen Laien, die Anzeichen von Gehirnerschütterungen zu erkennen und notwendige Maßnahmen zu ergreifen.

Beide Instrumente liefern Hinweise auf Gehirnerschütterungen – die Diagnose ist erst durch einen Mediziner möglich!


Taschenkarte

Ob ein Verdacht auf Gehirnerschütterung vorliegt, kann unmittelbar am Spielfeldrand anhand der Taschenkarte ermittelt werden.

 Wenn ein betroffener Sportler

  • eines oder mehrere der dort genannten Hinweise, Zeichen und Symptome zeigt,
  • Gedächtnisfragen falsch beantwortet,
  • berichtet, dass er nach einem Zusammenprall „Sterne gesehen“ habe,  
  • unsicher auf den Beinen ist,
  • sich im Sozialkontakt plötzlich auffällig verhält,

besteht der dringende Verdacht auf eine Gehirnerschütterung – auch wenn die Symptome vorübergehen und der Sportler sich scheinbar wieder zu hundert Prozent fit fühlt.

Download


GETGehirn Erschüttert? TestApp

Mit der Handy-GET-App können innerhalb von wenigen Minuten und unabhängig von der Selbsteinschätzung der betroffenen Person Symptome erfasst, Gedächtnis und Reaktion, Augenfunktion und Gleichgewicht getestet werden. Nach Durchlaufen der Tests gibt die App an, ob der Verdacht auf Gehirnerschütterung besteht.

Die erweiterte Version für Trainer und Betreuer im Mannschaftssport erlaubt es zusätzlich, Baseline-Werte (= Ruhewerte, die vor der Saison erhoben werden) für ein gesamtes Team zu speichern, um im Notfall sofort darauf zurückgreifen und Veränderungen erkennen zu können.

Zur GET

Ruhe und Beobachtung sind die notwendigen und sinnvollen Akutmaßnahmen.

Wenn der Kopf eines Sportlers durch einen Schlag, einen Aufprall oder eine Erschütterung betroffen ist, muss eine Gehirnerschütterung angenommen werden.

Der Sportler ist umgehend aus dem Spiel zu nehmen.

Am Spielfeldrand kann eine erste Testung vorgenommen werden mittels Taschenkarte und GET-App.

Sprechen die Hinweise für eine Gehirnerschütterung, muss die betroffene Person einer medizinischen Fachperson vorgestellt werden.

Eine notärztliche Abklärung sollte erfolgen, bei

  • jeglichem Bewusstseinsverlust,
  • Bestehenbleiben oder Verstärken der Symptome (Sehstörung, Nebelgefühl, starke Müdigkeit, zunehmende Kopfschmerzen, mehrmaliges Erbrechen, Gleichgewichts- und Gehstörungen, verändertes Verhalten),
  • verzögert eintretenden Symptomen,
  • Halswirbelsäulen-Schmerzen.

Personen mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung dürfen nicht zur sportlichen Aktivität zurückkehren und sie dürfen nicht alleine gelassen werden.

So wie eine Muskelzerrung ausheilen muss, braucht auch das Gehirn Zeit, um sich zu erholen.

Die Wiederherstellung der Funktion der Nervenzellen bedarf mindestens 6 bis 7 Tage. Obwohl vor allem das junge Gehirn eine sehr gute Erholungsfähigkeit besitzt und Schäden kompensieren kann, wäre es fatal, wenn während dieser Reparationszeit ein weiterer Schlag auf das Hirn treffen würde. Als Folge könnten sich dann die Heilungsprozesse deutlich verzögern und eine sich ausbreitende Schwellung zu einer Katastrophe im Hirn führen (sog. „second impact syndrome“).

Die Erholungsfähigkeit ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Typischerweise kommt es zu einer komplettem Erholung innerhalb von 3 Monaten. Sie kann sich bei Menschen, die bereits eine oder mehrere Gehirnerschütterungen erlitten haben und bereits unter chronischen Schmerzen, Depressionen oder Angstzustände leiden, verzögern.

Solange Beschwerden bei körperlicher und/oder geistiger Belastung vorliegen, hat das Gehirn sich noch nicht komplett erholt.

Zurück zur Schule/Zurück zum Sport ist ein gestaffeltes Protokoll, das sich an der Dauer der Störungen nach einer Gehirnerschütterung orientiert.

Die Initiative „Schütz Deinen Kopf! Gehirnerschütterungen im Sport“ bietet ausführliche Informationen

sowie Verzeichnisse mit Anlaufstellen und Ansprechpartnern für Betroffene.