Pressemitteilung

#Weltfrauentag 2021: Häusliche Pflege wird größtenteils von Frauen geleistet – Corona verschärft ihre Situation dramatisch

Schulung pflegender Angehöriger © ZNS Akademie gGmbH

Vier von fünf Pflegebedürftigen – rund 3,3 Millionen Menschen – werden in Deutschland zu Hause versorgt. Von ihnen werden 2,33 Millionen überwiegend durch Angehörige gepflegt. Zum größten Teil sind es Frauen, die diese Mehrfachbelastung übernehmen.

Die Gründe für die besondere Rolle von Frauen bei der familiären Pflege sind vielschichtig: gesellschaftliche Arbeitsteilung und Rollenverteilung, geschlechtsspezifische Gehaltsgefälle, Erwartungshaltung von Familienangehörigen, kulturelle Hintergründe oder auch die höhere Teilzeitquote gelten als Ursachen.

Bei Menschen mit schweren Schädelhirnverletzungen muss die Betreuung oft rund um die Uhr erfolgen. „Für Pflegende ist die Situation eine physische und psychische Dauerbelastung. Die Einschränkungen der Corona-Pandemie verstärken die ohnehin vorhandene soziale Vereinsamung. Eine pflegende Mutter berichtete uns, dass sie inzwischen seit mehr als einem Jahr in häuslicher Isolation lebt, um ihren schwerverletzten Sohn nicht zu gefährden und die Pflege gewährleisten zu können“, erläutert Helga Lüngen, Geschäftsführerin der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung, die angespannte Lage in vielen betroffenen Familien. Deshalb richtet die Stiftung die dringende Forderung an Politik und Entscheidende, schädelhirnverletzte Menschen und ihre pflegenden Angehörigen bei der Impfreihenfolge zu priorisieren. „Auch die Verlängerung von Akuthilfen für pflegende Angehörige sind ein wichtiges Signal, das unbedingt dauerhaft gewährleistet werden sollte“, so Helga Lüngen weiter.

Mit ihren kostenfreien Beratungs- und Seminarangeboten unterstützt die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung seit 2005 Angehörige schädelhirnverletzter Menschen.

Die Stiftung und ihre Akademie bieten Pflegenden Entlastung, Hilfe und Unterstützung. Der Beratungsdienst entwickelt gemeinsam mit den Ratsuchenden eine Strategie zur Verbesserung der Lebenssituation, berücksichtigt dabei fachkompetent alle Aspekte der Rehabilitation, Nachsorge und Ansprüche im komplexen Sozialversicherungssystem. Anliegen wie Strategien zur Bewältigung der nach dem Unfall völlig veränderten Lebenssituation, sichtbare und unsichtbare Einschränkungen durch die Hirnverletzung und die Belastung für alle Familienmitglieder werden thematisiert und begleitet.  Das multiprofessionelle Team bietet eine Beratung und Hilfestellung, die an der individuellen Lebenssituation der Ratsuchenden ausgerichtet ist.

Die Seminare für pflegende Angehörige der ZNS Akademie bieten neben dem Erfahrungsaustausch auch Schulungen zur Versorgung des pflegebedürftigen Familienmitglieds sowie Tipps und Übungen zur eigenen körperlichen und psychischen Entlastung. Weite Teile der Seminarinhalte werden während der Corona-Pandemie digital vermittelt. Hier reichen die ZNS-Angebote von einem mehrmals wöchentlich stattfindenden, themenbezogenen Erfahrungsaustausch bis hin zu Videos zu pflegespezifischen Fragestellungen wie Transfer, Umgang mit Wahrnehmungsstörungen und Entspannungstipps für den Alltag.

„Das seit über 15 Jahren gewachsene ZNS-Netzwerk pflegender Angehöriger trägt auch durch die wertvollen Kontakte, den Austausch und die gegenseitige Unterstützung im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe zur Entlastung bei,“ betont Helga Lüngen.


Kostenfreie Angebote für pflegende Angehörige

Beratungsdienst der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung
Montag bis Donnerstag 8:00 bis 17:00 Uhr, Freitag 08:00 bis 16:00 Uhr
Tel.: 0228 97845-0, E-Mail beratung@hannelore-kohl-stiftung.de
Link zum Hilfeangebot der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung

ZNS-Online-Treff
Termine: 10.03., 17.03., 25.03 und 01.04.2021, jeweils 10:30 bis 12:30 und 18:00 bis 20:00 Uhr
Zur Online-Anmeldung auf der Website der ZNS Akademie gGmbH